Affären oder andere Geheimnisse verbergen oder preisgeben?

Die Frage, ob Affären, Seitensprünge oder andere Geheimnisse in Familie oder Partnerschaft offengelegt werden sollten oder nicht, lässt sich nicht einfach beantworten. Diesbezügliche Ängste sollten Sie allerdings in jedem Fall versuchen im Vorfeld, zum Beispiel durch Hinzuziehung professioneller Begleitung (NLP Coaching oder Psychotherapie) abzubauen. Die Offenlegung einer Affäre kann eine Beziehung unter Umständen stärken, wenn es sich nicht um eine bloße Bereinigung des schlechten Gewissens handelt, sondern dem ehrlichen Wunsch entspricht, an der existierenden Beziehung zu arbeiten, z. B. in einer systemischen Paarberatung. In diesem Fall müssen Sie sich darüber im klaren sein, dass dies nur der Anfang eines länger dauernden Klärungsprozesses sein kann.

Viele unterschiedliche Aspekte gilt es mit in die Überlegungen einzubeziehen. Die folgenden Fragestellungen sollen dabei unterstützen, sich über eine Offenlegung Klarheit zu verschaffen. Oft gilt es eine Abwägung zu treffen zwischen dem Risiko nicht akzeptiert zu werden, wenn Ihr Geheimnis erst bekannt geworden ist, gegenüber der Einsamkeit, die Sie fühlen solange die Geheimhaltung anhält.

Wer darf über ein Geheimnis verfügen?

Betrifft es Ihr Leben, so gehört Ihnen auch dies Geheimnis. Sie haben in diesem Fall das alleinige Recht zu entscheiden, ob sie es für sich behalten oder es offenlegen. Ist dies nicht klar auszumachen, klärt sich die Verfügungsgewalt spätestens, wenn Sie das Gefühl haben, es bedürfe vor der Offenlegung der Erlaubnis einer weiteren Person.

Wessen Wohlergehen ist betroffen?

Der Umgang mit HIV-Erkrankungen ist hierfür ein sehr prägnantes Beispiel. Die Persönlichkeitsrechte stehen solange im Vordergrund, bis die Unversehrtheit des Sexualpartners diese aufhebt. Ein weiterer Punkt wäre, wenn nahestehende Menschen ihr Leben unter falschen Voraussetzungen leben. Wissen Sie davon, stellt es einen fundamentalen Vertrauensbruch dar, wenn sie nach wie vor darüber schweigen. Freundschaften bauen überwiegend auf Ehrlichkeit auf. Falsch verstandene Unterstützung in Form von ungebetenem Schutz vor der Wahrheit kann Freundschaften zerbrechen lassen.

Wer hat ein Recht darauf, das Geheimnis zu erfahren?

Geheimnisse über die eigenen Herkunft (insbesondere bei Adoptionen), ärztliche Diagnosen oder unheilbare Krankheiten betreffen das Recht auf Information. Diese Art von Geheimnisse gehören in den Bereich der persönlichen Autonomie. Werden diese vorenthalten verfolgt man die zweifelhafte Devise: „Ich weiß am besten, was du wissen darfst.“ In der Regel werden Beziehungen äußerst belastet oder sogar zerstört, wenn davon erfahren wird.

Hinterfragung der eigener Motivation. Wen schütze ich?  

Schlechte Nachrichten zu offenbaren gehört zu den undankbarsten Aufgaben im Leben. Dies nicht zu tun, schützt in erste Linie uns selbst, auch wenn wir vorgeben den anderen nicht belasten zu wollen. 

Welche Beziehungen werden durch das Geheimnis in Mitleidenschaft gezogen?

Auch ohne körperliche und seelische Gesundheit  können Beziehungen dennoch stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Einfluss von Geheimnissen auf das Zusammenleben ist beträchtlich, wie in folgendem Blog bereits dargelegt wurde. Die Entwicklung gleichwertiger Beziehungen wird dadurch verhindert, dass bestimmte Themen ausgeklammert werden. Dies mindert zum einen ganz grundlegend das Vertrauen und zum anderen verhindert es unter Umständen die Bestätigung einer intuitiv vorhandenen Wahrnehmung. Wir lassen den anderen im Unklaren und nähren unter Umständen sogar eigene Zweifel an seiner Wahrnehmung.

Wie verändert sich ihr Verhalten, wenn Sie ein Geheimnis wahren?

Meiden Sie Themen? Distanzieren Sie sich von Menschen ? Müssen Sie lügen und Vertrauen untergraben ? Ist Ihr Leben mehr von Täuschungen als von Ehrlichkeit geprägt? Wenn Geheimnis dazu führen, dass es Ihre eigentliche Persönlichkeit verändert, ist die Möglichkeit einer Veränderung dringend zu prüfen .

 Werden in einer Beziehung durch ein Geheimnis Prämissen verletzt?

Prämissen stellen Grundannahmen in Beziehungen dar. Diese können gesellschaftlich orientiert sein oder selbst bestimmt werden. Im Westen ist es auch heute noch eine weitgehende Grundannahme, dass Beziehungen monogam sind oder auch das vertrauliche Geheimnisse nicht weitergetragen werden. Dies ist keine moralische Bewertung sondern eine weit verbreitete Voraussetzung des Zusammenlebens. Wird diese Grundannahmen einseitig in Frage gestellt, ist die Basis der Beziehung und auch die Erwartung des Partners ungültig. Die resultierende Verschwiegenheit geschieht meist aus dem Grund Ärger oder Streit zu vermeiden. Hierbei wird aber mit zweierlei Maß gemessen und die gemeinsame Grundlage zerstört.

Fazit

Es gibt kein Patentrezept für oder gegen eine Offenlegung und vor allem auch keine Garantie, dass es ohne Risiko abgeht. Geheimnisse existieren häufig in einer komplizierten und unübersichtlichen Geometrie. So können sie leicht Beziehungen aus dem Gleichgewicht bringen.

Angelehnt an Evan Imber-Black „Die Macht des Schweigens“

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