Die Geschichte vom Fährmann – Teil 2

Als er den Händler auf der anderen Seite abgesetzt hatte und zurück war, freute er sich auf seine heiße Tasse Tee. Aber da wurde er wiederum unterbrochen, doch jetzt von jemand anderem. Ein junger Mann stand vor ihm und sagte: “Ich wurde von einem großen spirituellen Lehrer gesandt. Er kommt mit seinen Schülern und ist auf dem Weg um vor einer großen Menge Menschen zu sprechen. Bitte bringe ihn hinüber. Du wirst nicht nur Geld bekommen, sondern auch seinen unschätzbaren Segen erhalten.“ Und dann ergänzte: “Aber der Meister hat noch kein Mittag gegessen. Und da ist keine Zeit mehr auf der anderen Seite. So könntest du vielleicht auf der Fähre ein Mittagessen servieren während wir überfahren?“ Und der Fährmann dachte bei sich: “Oh nein, das hat mir wirklich noch gefehlt.“ Aber er lief in die Stadt, fand und kaufte die allerbesten Nahrungsmittel und auch jemanden, der sie zubereitete.

Als er die Fähre dann noch einiger Zeit in die Strömung gab und zuschaute wie der Meister und seine Schüler das Mittagessen genossen, sah er den alten Mann am Flussufer und dachte: „Nein, nein, diese Überfahrt wirst du auch nicht mitfahren. Es reicht aus, dass du eine freie Überfahrt bekommst, aber auch noch ein freies Mittagessen, das ist zu viel.“

Als er zurückkam freute er sich endlich auf seine Tasse Tee und ließ den alten Mann einfach warten. Aber als er gerade den Tee zu seinen Lippen führte, hörte er eine Trompete. Es kam ein Botschafter des Kaisers. Der sprach zu ihm: „Der Kaiser möchte den Fluss überqueren. Es ist selbstverständlich eine grosse Wertschätzung für dich, dass der Kaiser dein Floß nutzen möchte.“ Gleichzeitig betrachtete er das Floss und sagte: „Aber ich sehe gerade, es müsste doppelt so groß sein für den Kaiser und das königliche Gefolge. Und bitte mehr Dach und natürlich ein komplettes Essen für alle. Ja, und der Kaiser isst nie ohne eine spielende Musikkapelle. Er wird in drei Stunden hier sein, so bitte, habe bis dann alles fertig.“

Der Fährmann dachte bei sich: “Gab es je einen schlimmeren Tag in meinem Leben?“ So lief er in die Stadt und fand Leute die im halfen, das Floß umzubauen und das Dach zu erweitern. Er liess mehr Essen kochen und fand die besten Musiker weit und breit. Denn er wollte dem Kaiser nicht ungefällig sein oder gar ungnädig stimmen.

Schließlich waren alle auf der Fähre, der Kaiser, sein Gefolge, die Musiker und das Essen. So hatte der Fährmann Mühe, die Fähre in Bewegung zu setzen. Sie war zu schwer geworden. Er hatte Angst um sein Leben, aber als er den alten Mann sah, wurde er so wütend, dass der alte Mann noch immer auf seine Überfahrt wartete, dass er zu sich sagte: „Du wirst niemals mit dem Kaiser zusammen auf der Fähre fahren.“ Dieser Gedanke verlieh ihm zusätzliche Kraft und endlich gelang es ihm, die Fähre in die Strömung zu bringen.

Er hoffte, dass alles gut ging, denn wenn dem Kaiser auf seiner Fähre etwas zustieß, konnte ihn das das Leben kosten. Aber er schaffte es zu anderen Seite und der Kaiser gab ihm eine wundervolle Belohnung.

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