Paartherapie: Übersteigert regressives oder progressives Verhalten

Das Modell der Kollusion beschreibt das Zusammenspiel von progressivem und regressivem Abwehrverhalten. Dies ist für die Lösung von Konflikten in der Paartherapie höchst bedeutsam. In den vorherigen Blogs wurde zunächst das Funktionsprinzip der Paarbeziehung, das Abgrenzungsprinzip von Partnerschaften und die Begrifflichkeiten Regression und Progression in diesem Zusammenhang ausführlich beschrieben. Doch wie kommt es zu einem übersteigertem regressiven oder progressivem Verhalten?

Übersteigert regressives oder progressives Verhalten

Übersteigerte Regressivität entwickelt sich recht häufig durch strukturelle Frustrationserfahrungen in der Kindheit. Wenig Aufmerksamkeit und emotionaler Hinwendung führt zu einem emotionalen Loch und dem Bedürfnis oder Anspruch auf Befriedigung dieses Bedüfnisses im Sinne eines Nachholbedarfes oder Nachnährung. Allerdings kann auch überbehütetes und verwöhntes Aufwachsen dazu führen, dass eine Fortdauer dieses Zustandes postuliert wird. Von den Eltern wurde jede Regung zur Selbständigkeit erstickt oder mit Liebesentzug als Strafe sanktioniert. Hieraus resultiert das fortdauernde Bedürfnis der Vermeidung von eigener Autonomie, Kraft, Stärke aus unbewusster Angst vor Bestrafung und Liebesentzug, wie es in der Kindheit erlebt worden ist.

Kompensation wird gesucht durch erlebte Hilflosigkeit und die Suche nach Rettern als PartnerIn. Wohlgemerkt entspringt dies nicht echter Hilflosigkeit, sondern die eigene Schwäche und Kindlichkeit wird benutzt, um Zuneigung, emotionale Aufmerksamkeit und Nähe zu erzwingen. Diese Menschen suchen jemanden der sie rettet, ihnen hilft, ihnen die Realität und Forderungen des Alltags abnimmt.

Menschen mit einer Neigung zu übersteigerter Progressivität bzw. überfordernden «Erwachsensein›› haben in ihrer Kindheit nie Schwäche zeigen zu dürfen. «Erwachsenenverhalten» hat zu Akzeptanz beigetragen, hat ein Gefühl von geliebt werden vermittelt und soll weiterhin beeindrucken. Das gelebte Bedürfnis ist die Vermeidung von kindlich schwachen und hilfebedürftig abhängigen Verhaltensweisen. Kompensatorisch wird sich um Stärke, Reife, Überlegenheit und Gefühlskontrolle bemüht, um auf diese Weise Ich-Stärke zu verkörpern. Dies entspringt jedoch nicht echter Stärke und Reife, sondern eigene Schwäche und Kindlichkeit wird überspielt und erwachsene Reife wird versucht durch Überkompensation zu erzwingen. Gesucht wird eine Aufgabe, als Führer, Retter, Supermann, um sich selbst in unerschöpflicher Hilfe bestätigen zu können.

Beide Charakterhaltungen sind in übersteigerter Form neurotisch und stellen jeweils die Abwehr eigener Ängste dar. Problematisch kommt hinzu, dass Progression gesellschaftlich meist als wertvoll belohnt und anerkannt wird. Progressives Verhalten verkörpert Tüchtigkeit, Hilfsbereitschaft, Aktivität und « Männlichkeit». Auch Regression wird gesellschaftlich zumindest bei Frauen  akzeptiert und unterstützt. Eine progressive Position erfordert den Umgang mit besonders regressiven, passiven, abhängigen Menschen und umgekehrt.

Beziehungsstörungen und Kollusion

Verbindung eines Partners der eine Neigung zu überkompensierender Progression hat mit einem Partner, der regressive Verwöhnung in der Partnerschaft fordert. Beide verstärken und fixieren sich gegenseitig in diesem einseitigen Verhalten, benötigen sich gar wechselseitig in diesen Funktionen. Kollusion meint somit die neurotische Verstrickung eines progressiven mit einem regressiven Partner.

 

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