Trauma II – Überlebensstrategie und Ausstieg

Traumata sind existenzbedrohende und psychisch überwältigende Erfahrungen. Eine Überlebensstrategie sichert nach einem Trauma, dass wir nicht mit den traumatischen Empfindungen in Kontakt kommen. Gleichzeitig verhindert sie die Aufarbeitung des Traumas.

Oper – Überlebensstrategien

Bezogen aus sich selbst bestehen die häufigsten Überlebensstrategien im Verleugnen, Verdrängen, sich schuldig fühlen, Schämen, die eigene Schwäche verachten oder sogar die Schädigung als gerechte Strafe ansehen. Immer wieder erlebe ich Klienten oder Klientinnen, die von Gewalt in ihrer Kindheit berichten und noch immer der Überzeugung sind, dass jeder Schlag „verdient“ war.

Bezogen auf den Täter wird dieser oftmals nicht als Täter gesehen, es wird sich mit den Bedürfnissen des Täters identifiziert, sich emotional mit ihm/ ihr verbunden und auf diese Weise ein gemeinsames „Wir“ entwickelt.

Gerade in Bezug auf Eltern fällt es Klienten oder Klientinnen schwer, nicht den Hintergrund der traumatisch erlebten Taten mit einzubeziehen. Die schwere Kindheit der Eltern wird angeführt oder der Stress durch Alltagsbelastungen wie Arbeit oder die Erziehung mehrerer Kinder. Sicher werden Mütter das ihnen Bestmögliche für ihre Kinder getan haben oder heute auch tun, doch ist es dennoch nur das Bestmögliche.

Generell kann man sagen, dass übersteigerte Harmoniesucht oder auch das überbordende Einsetzen für Welt – und Friedensrettungsidale oftmals Überlebensstrategien sind, um sich mit dem eigenen Trauma nicht auseinandersetzen zu müssen. Religionsfanatismus hat hier auch meist seinen Ursprung. Desweiteren zählen extensives Jammern, Überängstlichkeit, extreme Unterwürfigkeit oder auch Depressivität zu häufig gebildeten Überlebensstrategien.

Wie gelingt der Ausstieg aus der T-O-D

Zunächst eine Zusammenstellung von gängigen Methoden, die jedoch einen Ausstieg aus der Täter-Opfer-Dynamik (T-O-D) nicht gelingen lassen:

  • Rache – Rebellion – Revolution (Tendenz zur Selbstzerstörung, Opfer werden wiederum zu Tätern
  • Verzeihen – Versöhnen – Retten (Ablenkung von sich, Aufarbeitung wird umgangen)
  • Religion – Spiritualität – Kunst (Dient der Sublimierung, also der Suche nach Anerkennung bestimmter sozialer Gruppen um eine Aufarbeitung zu vermeiden)
  • Pathologisierung und Medikalisierung (Opfer und Täter werden als krank oder verrückt etekittiert)

Alle genannten Methoden verhindern eine Überwindung der Täter-Opfer-Dynamik auf persönlicher Ebene und ein Erkennen der dahinterliegenden Strukturen. Muster und Überlebensstrategien werden nicht durchbrochen, sondern vielmehr suchtartig wiederholt.

Durchbrechen der T-O-D

Es geht vor allem darum, die eigene Opferhaltung und somit die Realität des Opfer-Seins anzuerkennen. Hierzu gehört ebenfalls eine vollständige Anerkennung der erlittenen Schädigung und aller damit verbundener Gefühle wie Angst, Wut, Schmerz und Scham.

Ziel ist es, das eigene gesunde Ich und den eigenen gesunden Willen zu entwickeln. Frei von beschränkenden Mustern durch erlittene Traumata.

Raum schaffen

Hierzu braucht es ein verständnisvolles Umfeld mit Erfahrung und entsprechendem Mitgefühl. Das Umfeld muss Sicherheit gewährleisten um notwendige Klärungen anzugehen und eventuelle Offenlegungen zu proben. Scham, Angst und Wutgefühle müssen im Sinne einer Auflösung des Traumas ihren Ausdruck finden können.