Die Wunde bleibt – Elternentfremdung und Kontaktabbruch durch Trennung

Die Folgen einer elterlichen Trennung sind meist traumatisch und können für Kinder auch noch im Erwachsenenalter schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Sie können sich zeigen oder ausdrücken in:

Hierbei kommen der Form der erlebten Trennung, sowie der Art der elterlichen Beziehung nach der Trennung, eine große Bedeutung zu. Das Alter der Kinder bei der Trennung spielt wissenschaftlichen Untersuchungen zu Folge keine große Rolle. Eine erlebte Trennung im Kleinkindalter führt als Erwachsener meist zu den gleichen Symptomen, wie eine Trennung als Jugendlicher. Professionelle Unterstützung durch Reparenting, Mentoring oder Psychotherapie, bieten heute jedoch gute Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen.

Als Gründe für einen durch ein Elternteil geförderten Kontaktabbruch der Kinder zum anderen Elternteil wird meist der Schutz des Kindes vor psychischer oder physischer Gewalt angegeben. Dies hat, wenn der Realität entsprechend, selbstverständlich seine volle Berechtigung.

Im Hintergrund kann aber auch der Wunsch mitwirken, entstandenen eigenen Verletzungen durch eine völlige Eliminierung des ehemaligen Partners aus dem neuen Leben, etwas entgegenzusetzen. Häufig außer acht gelassen wird hierbei das Wohl des Kindes, denn Scheidungen lassen sich für Kinder heute fast unbeschadet überstehen, wenn es zu keinem Kontaktabbruch kommt und Eltern, Mütter wie Väter, trotz Trennung einen achtsamen und reifen Umgang miteinander realisieren können.

Der Wunsch nach völliger Eliminierung des Partners kann sich auch ausdrücken in sogenannten Doppelbotschaften. Wenn hinter dem Angebot den Vater besuchen zu können, ein unausgesprochenes, „wehe, du besuchst deinen Vater wirklich“, steht. Kinder haben eine sehr empfindsame Wahrnehmung für Stimmungen und können dann Gesagtes und Gemeintes nicht in Einklang bringen. In der Folge nimmt die Wahrnehmung der Kinder schaden und das Selbstwertgefühl beginnt zu leiden.

Die gesundheitlichen Folgen eines in der Kindheit erlebten Kontaktabbruchs fanden bereits in den 80er Jahren Eingang in die Psychologie und werden mit Parental Alienation bezeichnet. Hierbei handelt es sich, nach Definition des bereits verstorbenen amerikanischen Psychiaters Prof. Richard Gardner, um eine:

„Persönlichkeitsstörung welche hauptsächlich im Zusammenhang mit Sorgerechtsstreitigkeiten auftritt. Seine hauptsächliche Manifestation ist die Kampagne der Verunglimpfung eines Elternteils durch das Kind, eine Kampagne die keine Berechtigung hat. Sie resultiert aus einer Kombination von programmierender (gehirnwäscheartiger) elterlicher Indoktrination und der eigenen Beiträge des Kindes zur Verteufelung des Zielelternteils. Wenn tatsächlich elterliche Misshandlung [auch sexueller Missbrauch] und/oder Vernachlässigung vorliegt mag die Feindseligkeit indes gerechtfertigt sein, und dann ist die Parental Alienation Syndrome Erklärung für die Feindseligkeit des Kindes nicht anwendbar.“

Vor allem Mädchen erleben nicht selten eine besonders perfide Form der Manipulation. Denn durch eine als nahezu symbiotisch erlebte Verbindung mit der Mutter, fühlen sie sich stellvertretend für die Mutter verlassen. Dies kann sich in folgendem und häufig verwendeten Zitat ausdrücken: „Ich hasse meinen Vater, weil er uns verlassen hat.“

Doch genauso wie für Mädchen hat ein Beziehungsabbruch auch für Jungen meist traumatische Folgen, die auch noch im Alter durch stützende und einfühlsame Therapie gut behandelt und aufgearbeitet werden können.

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