Psychisch bedingte somatische Störungen (F44, F45 und F54)

Mit Psychotherapie, z. B. Gestalttherapie, behandelbare psychosomatische Erkrankungen, sind körperliche Funktionsstörungen ohne Organbefund, die auf seelischer Einflüsse zurückzuführen sind. Abzugrenzen hiervon sind somato-psychische Störungen, die als seelische Reaktionen auf körperliche Leiden auftreten. Auslöser sind in der Regel aktuelle oder zurückliegende Konflikte oder Anpassungsprobleme.

Man unterscheidet Dissoziative (F44) und Somatoforme Störungen (F 45)

Dissoziative Störungen (F 44)

Unter einer Dissoziation ist zunächst das Auseinanderfallen von sonst zusammenhängenden Funktionen der Wahrnehmung, des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität und der Motorik zu verstehen. Liegt eine dissoziative Störung vor, werden Erinnerungen und Gefühle abgespalten und unbewusst über den Körper ausagiert (Hysterie). Die damit in Verbindung zu bringenden Körpersymptome haben meist Symbolcharakter.

Die Ursache dieser Störung ist in der Regel traumatisch bedingt und die Verbindung zum auslösenden Trauma, unlösbaren Konflikten oder unerträglichen Beziehungen evident. Man kann dissoziativ Störungen als Versuch ansehen, sich nicht verbalisierte seelisch erfahrene Konflikte durch Ausagieren zu entledigen .

Die Prävalenz (Häufigkeit des Auftretens) liegt bei 0,5% bis 4% und ist abhängig von den umgebenden kulturellen Faktoren und findet sich meist im 3. und 4. Lebensjahrzehnt.

Dissoziative Störungen treten selten eigenständig und meist im Rahmen psychischen Störung (PTBS) auf.

Als Symptome können vorliegen:
  • misslingende psychische Integration des Erlebens
  • kurzzeitige Unterbrechung der eigenen Bewusstheit, z.B. Gedächtnisses (Amnesie), Identitätserlebens („multiple Persönlichkeit“) Wahrnehmung der Umwelt, Kontrolle von Körperempfindungen und -bewegungen
  • kein Organbefund (z.B. neurologisch)
  • meistens plötzlicher Beginn und plötzliches Ende
Die ICD 10 unterscheidet:
  • dissoziative Amnesie (Vergessen) (F 44.0) (partielle oder totale) kürzlich traumatisierende oder belastende Ereignisse meist mit depressiver Verstimmung, Ratlosigkeit, ziellosem Umherwandern und Bewusstseinstrübung; bestimmte Inhalte (selektive Amnesie) oder Zeitabschnitte (lokalisierte Amnesie)
  • dissoziative Fugue (Fortlaufen) (F 44.1) als (äußerlich geordnete und zielgerichtete Ortsveränderung mit totaler Amnesie bei aufrecht erhaltener einfacher Selbstversorgung (kein zielloses Umherwandern)
  • dissoziativer Stupor (F 44.2) als Stupor aufgrund Verwirrung und Fehlens von Bewegungen Reaktionslosigkeit
  • dissoziative Trance und Besessenheit (F44.3) Verlust der Identität, von Kraft beherrscht
  • dissoziative Bewegungsstörungen und Krampfanfälle (F 44.4-5) partielle /vollständige Lähmung; Unfähigkeit, ohne Hilfe zu stehen u.a.; (epilepsieähnliche) Krampfanfälle
  • dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (F 44.6) – Hautareale sind betroffen, Taubheit, Sehstörungen u. a.,

Spezialformen sind das Ganser-Syndrom (F 44.80), bei dem Patienten versuchen, organische Psychosyndrome nachzuahmen, sowie eine multiple Persönlichkeitsstörung (F 44.81), in der zwei verschiedene Persönlichkeiten in einem Individuum vorhanden sind.

Therapie:

Der Verlauf ist meist chronifiziert und schwer therapierbar, vor allem wenn die auslösenden Probleme nicht gelöst werden können. Psychotherapie, z. B. in Form von Gestalttherapie sollte unterstützend genutzt werden.

Somatoforme Störungen (F 45)

Hierunter sind meist über Jahre andauernde vorliegende körperliche Beschwerden ohne Symbolcharakter und ohne vorliegenden Organbefund zu verstehen. Die Ursache liegt in zurückliegenden Konflikten oder Verletzungen, die weniger ausagiert als körperlich „festgehalten“ werden. Die Prävalenz (Häufigkeit des Auftretens) liegt bei 4% und Frauen sind hiervon häufiger betroffen als Männer.

Als Symptome können vorliegen

Trotz der ärztlichen Versicherung, dass die Symptome nicht körperlich begründbar sind, bestehen die Patienten auf weiteren medizinischen Untersuchungen. Die Symptome sind meist multipel und wechselnd und gehen nicht selten einher mit Angst und Depression.

Die ICD 10 unterscheidet:
  • Somatisierungsstörung (F 45.0) – chronische multiple Körpersymptome z. B. Magenschmerzen, Übelkeit, Jucken, Taubheitsgefühl, min. zwei Jahre, Weigerung, fehlende Erkrankung zu erkennen.
  • undifferenzierte Somatisierungsstörung (F 45.1) – abgeschwächte Somatisierungsstörung, muskuläre Schwäche
  • hypochondrische Störung (F 45.2) – übermäßige Angst vor Krankheiten
  • somatoforme autonome Funktionsstörungen (F 45.3) – Fkt, betreffend, die (vegetativ kontrolliert und innerviert) sind z.B. Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Erröten, Husten, Durchfall
  • anhaltende somatoforme Schmerzstörungen (F 45.4) – quälender Schmerz, in Verbindung mit emotionalen Konflikten/ psychosozialen Problemen
Therapie

Psychotherapie z. B. in Form von Gestalttherapie ist geboten.