Sexismus-Debatte – Männer in der Krise

Die aktuelle Sexismus-Debatte stellt vieles auf den Kopf, was über Jahrzehnte fester Bestandteil jeder Diskussion über Gleichberechtigung gewesen ist. Weniger geht es in der heutigen Diskussion um die Benachteiligung der Frauen, als vielmehr um Männer in der Krise, die sich zunehmenden in der Gesellschaft abgehängt fühlen. Eine Folge davon ist ein deutlicher Anstieg der Nachfrage von Angeboten professioneller Unterstützung in Form von Coaching, Psychotherapie oder Reparenting durch Männern.

Von einer allgemeinen Krise der Männlichkeit ist die Rede und das, obwohl nach Schätzungen des World Economic Forum es noch bis zum Jahre 2186 dauern könnte, bis die finanzielle Geschlechterungleicheit überwunden wird und unter den 100 reichsten Menschen der Welt nur 10 Frauen zu finden sind. Zudem werden Führungsrollen in Industrie und Gesellschaft immer noch überwiegend von Männern eingenommen.

Also was ist der Hintergrund der aktuelle Debatte? Da sind zunächst Zahlen über Selbstmordraten, die bei Männern in Deutschland dreimal so groß sind wie bei Frauen und Arbeitslosenquoten, die bei Männern schon seit Jahren über denen der Frauen liegen. Hinzu kommt, dass sich laut einer aktuellen amerikanischen Studie unter Menschen zwischen 18 und 34 Jahren 33% der Männer aufgrund ihres Geschlechtes benachteiligt fühlen, dies gegenüber nur 21% der Frauen gleichen Alters. Ein Jobverlust trifft einer amerikanischen Studie zufolge Männer deutlich stärker als Frauen, die weit öfter in besser bezahlte Anstellungen wechseln.

Doch wie kommt es, dass Männer zunehmend die Opferrolle einnehmen?

Ein Grund dürfte in den Auswirkungen der Globalisierung auf die führenden Industrienationen liegen. Viele Jobs der ehemals starken Arbeiterklasse wanderten in lukrativere Regionen ab und die Jobs der Zukunft basieren auf Dienstleistungen und sozialen Interaktionen. Somit werden zunehmend Eigenschaften gefragt, die mit dem traditionellen Bild von Männlichkeit, in dem Muskelkraft und Durchsetzungsvermögen vorherrschten, nicht mehr viel tun haben.

Die Folge für viele Männer sind Gefühle von Unsicherheit und Angst vor dem Risiko, verdrängt zu werden oder an Bedeutung zu verlieren. Wenn Männer ihre angestammten Rollen in der Familie und der Gesellschaft aber nicht mehr wahrnehmen (können), wird die Lücke gefüllt mit einer Hinwendung zu autoritären Strukturen, und so haben Machtmänner von Trump bis Erdogan und populäre Parteien mit simplen und meist ausgrenzenden Botschaften Konjunktur in unseren Gesellschaften.

Eine Lösung dieser Krise könnte bereits in der aktuellen Hinwendung zur bewussteren Auseinandersetzung mit sich selbst liegen. Mehr und mehr Männer entwickeln ihre eigene, individuelle Form der Männlichkeit und eine von Rollenzwängen weitgehend befreite Identität. Dies geschieht sehr bewusst in klarer Abgrenzung zum traditionellen und klischeebehafteten Bild der Männlichkeit.

Wenn aber in der Folge emotionale Kompetenzen wie Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Selbstwahrnehmung, Ausdruck von Mitgefühl oder Empathie in die eigene Persönlichkeit integriert werden, wird dies, zusammen mit Stärke und Durchsetzungsvermögen, eine besonders kraftvolle Form ganzheitlichen männlichen Seins entfalten können.

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